Entdeckung AmerikasChristoph Kolumbus sollte gewusst haben, was ihn erwartet
phi
12.10.2021
Heute ist Kolumbus-Tag – ausgerechnet jetzt wird bekannt, dass der Seefahrer wohl nicht der erste Italiener war, der von Amerika wusste: Schon vor ihm sollen Genueser davon berichtet haben.
phi
12.10.2021, 18:07
phi
Amerika ist am 12. Oktober 1492 von Christoph Kolumbus entdeckt worden. Richtig?
Nein, eigentlich gebührt die Ehre der Wiederauffindung des Kontinents den Wikingern, die bereits um das Jahr 1000 nach Christus über Grönland nach Nordamerika vorgedrungen sind. Und wenn man neuesten Forschungen glaubt, wusste Kolumbus, worauf er sich eingelassen hat, als er den Sprung über den grossen Teich gewagt hat.
Wie Wissenschaftler auf diese Idee gekommen sind? Schuld ist die Cronica universalis, die ein Mailänder Mönch geschrieben hat. Das Konvolut von Galvaneus Flamma, der von 1283 bis 1345 gelebt hat, enthält diverse Dokumente, die der Latein-Experte Paolo Chiesa übersetzt hat.
Dabei hat der Professor eine «erstaunliche» Entdeckung in «aussergewöhnlichen» Passagen gemacht: Die Seefahrer in Kolumbus' Heimatstadt Genua haben Nordamerika offenbar schon seit circa 1340 gekannt, berichtet «EurekAlert». Zuerst erschienen ist die Arbeit im Fachjournal «Terrae Incognitae».
In den Dokumenten wird demnach sowohl Grönland genannt, das hier Marckalada heisst. Aber auch das Markland kommt vor, das sich auf Nordamerika bezieht: Wahrscheinlich ist die Region Labrador oder aber Neufundland in Kanada gemeint.
«Erste Referenz auf den Kontinent im Mittelmeer-Raum»
«Wir haben hier die erste Referenz auf den amerikanischen Kontinent im Mittelmeer-Raum, auch wenn es nur in noch nicht ausgereifter Form ist», sagt Chiesa, der an der Universität Mailand lehrt.
Die Schriften des Dominikaner-Mönchs, der in Mailand gelebt hat, sind erst 2013 entdeckt worden. Galvaneus Flamma hat vor allem über historische Ereignisse geschrieben. Die Cronica universalis dürfte eines seiner letzten Werke gewesen sein. Die frühere Handelsmacht Genua wird darin als «Portal» für Neuigkeiten dargestellt.
Das Wissen um die Länder im Nordwesten könnte aus Skandinavien kommen: Auch dort werden Grönland und Nordamerika Marckalada und Markland genannt. «Das Marckalada, das Galvaneus beschreibt, ist ‹reich an Bäumen› – nicht unähnlich dem waldreichen Markland und den dort lebenden Tieren in der Grœnlendinga Saga», weiss Chiesa.
«Sehe keinen Grund, ihm nicht zu glauben»
Der Mailänder Mönch hat sein Wissen durch mündliche Überlieferungen: Flamma belegt dabei, wo er was von wem erfahren haben will. «Ich sehe keinen Grund, ihm nicht zu glauben», bekundet Chiesa. «Es ist schon lange bekannt, dass die Seekarten aus Genua und Katalonien im 14. Jahrhundert den Norden besser dargestellt haben, was durch direkten Kontakt mit jenen Regionen zustande gekommen ist.»
Die Handelsbeziehungen zwischen Genua und den britischen Inseln und der Nordseeküste dürften ihren Teil zu diesem Wissen beigetragen haben. «Wir haben keinen Beweis, dass italienische oder katalanische Seefahrer je Island oder Grönland zu jener Zeit erreicht haben, aber sie waren sicherlich in der Lage, von europäischen Händlern Waren aus der Region zu bekommen, die sie ins Mittelmeer transportiert haben», so Chiesa.