Ex-Geisel der Islamisten Seit sie der Hamas entkommen ist, flüstert Emily nur noch

gbi

29.11.2023

Die neunjährige Emily Hand ist seit dem Wochenende wieder in Freiheit. (Undatierte Aufnahme)
Die neunjährige Emily Hand ist seit dem Wochenende wieder in Freiheit. (Undatierte Aufnahme)
Bild: AP

Die Freilassung der kleinen Emily ging um die Welt. Nun erzählt ihr Vater, wie traumatisiert das Mädchen nach seiner Zeit in der Gewalt der Hamas ist – und dass sie als Erstes ein Beyoncé-Video schauen wollte. 

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Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Das neunjährige Mädchen Emily Hand ist am Wochenende von der Hamas aus dem Gazastreifen freigelassen worden.
  • Die 50 Tage Gefangenschaft in Gewalt der Islamistenmiliz haben Emily schwer gezeichnet, erzählt jetzt ihr Vater Tom Hand. 
  • Emily habe viel Gewicht verloren, lasse sich kaum noch anfassen, und spreche nur noch mit Flüsterstimme.
  • Das Erste, was sie nach ihrer Freilassung machen wollte: Videos ihres Idols, Popstar Beyoncé, anschauen.

Das Schicksal der neunjährigen Emily bewegt die Welt: Das neunjährige irisch-israelische Mädchen war von der radikalislamischen Hamas in den Gazastreifen verschleppt worden. Ihr Vater Tom Hand dachte schon, er habe das Mädchen für immer verloren.

Doch dann die Erleichterung: Emily ist am Leben und unter jenen Geiseln, die am vergangenen Samstag freigelassen wurden.

Der Moment, in dem Emily und ihr Vater sich erstmals nach 50 Tagen wieder in die Arme schliessen konnten, ging viral.

Nun erzählt ihr Vater, wie es Emily seither ergangen ist.

Die Zeit in Geiselhaft habe dem Mädchen zugesetzt. Das Strahlen sei aus Emilys Augen verschwunden, sagt der 63-jährige Vater der britischen Zeitung «The Sun». Das sei schwer mitanzusehen. Emily habe viel Gewicht verloren. Und ihre Unbeschwertheit: «Sie war so ein fröhliches, lautes Kind. Jetzt flüstert sie.»

Der Vater glaubt, Emily sei von ihren Entführern dazu angehalten worden, leise zu sein, damit ihr Versteck nicht auffliege. «Sie musste 50 Tage lang so sprechen und jetzt kann sie nicht mehr damit aufhören.»

Als Erstes wollte Emily ein Beyoncé-Video sehen

Dennoch erzählt der Vater auch von lichteren Momenten. Als Erstes habe sie nach ihrer Freilassung sein Handy von ihm verlangt – damit sie ein Video von Popstar Beyoncé sehen konnte.

Doch auch hier: Den Ton habe sie ganz, ganz leise eingestellt, er habe fast nichts hören können, sagt Tom Hand. Als er das Smartphone lauter gemacht habe, habe sie das sofort wieder geändert. Zu gross sei wohl ihre Angst gewesen, Lärm zu machen.

Überglücklicher Vater: Tom Hand ist wieder mit Emily vereint. 
Überglücklicher Vater: Tom Hand ist wieder mit Emily vereint. 
Bild: AP

Ausserdem fiel dem Vater auf, mit welcher  Verwunderung seine Tochter ihn beim Wiedersehen angeschaut habe. Emily habe wohl angenommen, dass auch er verschleppt worden sei, berichtet Tom Hand der «Sun». «Sie sah mich an, als wollte sie sagen: Was machst du hier?» Da sei ihm klar geworden, dass Emily nichts darüber wisse, was den anderen Menschen in dem Kibbuz widerfahren sei, aus dem sie verschleppt worden war.

Nach der Mutter auch noch die Stiefmutter verloren

Emilys Stiefmutter, Narkis Hand, war unter den Opfern des 7. Oktobers – an jenem Tag hatten Hunderte Hamas-Terroristen und Kämpfer anderer islamistischer Gruppen einen Grossangriff auf Israel gestartet. Die 52-Jährige starb im Kibbuz Be’eri nahe dem Gazastreifen, und war Tom Hands zweite Frau. Ihre leibliche Mutter hat Emily verloren, als sie erst zwei Jahre alt war – sie starb an Krebs.

Emily selbst war bei einer Freundin und deren Mutter daheim, als sie von der Hamas entführt wurde.

Vater Tom war im nahegelegenen Zuhause in seinen Panikraum geflüchtet. Dort harrte er 19 Stunden lang aus, bis er wieder hinauskonnte. Er ging zunächst davon aus, dass Emily getötet worden sei, beweinte ihren vermeintlichen Tod. Erst nach knapp einem Monat erfuhr er vom israelischen Militär, dass sie verschleppt worden war. Ihren neunten Geburtstag verbrachte sie als Geisel der Hamas. 

Rührendes Wiedersehen zwischen freigelassenen Geiseln und Angehörigen

Rührendes Wiedersehen zwischen freigelassenen Geiseln und Angehörigen

Es sind rührende Momente des Wiedersehen: Vor rund sieben Wochen wurden sie aus Israel brutal von Islamisten in den Gazastreifen verschleppt. Nun sind schon zwei Gruppen von Geiseln befreit worden.

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Über ihre Zeit in Gefangenschaft berichtete sie ihrem Vater, dass sie andauernd von einem Haus zu einem anderen gebracht worden seien. Wohl, um den Vergeltungsschlägen der israelischen Armee zu entkommen. Manchmal seien Emily und die anderen Geiseln dabei unter Beschuss gestanden. «Sie muss absolut verängstigt gewesen sein – ein achtjähriges Mädchen, das von Fremden von einer ausgebombten Gebäudehülle zur nächsten gebracht wird, mitten in einem Kriegsgebiet», sagt er der «Sun».

Emily will sich nicht trösten lassen

Auch mit dem US-Nachrichtensender CNN sprach Tom Hand. Dort erzählte er, dass Emily immer noch schwer traumatisiert sei: Sie habe sich zunächst nicht anfassen lassen wollen, er musste ihr Zeit geben.

«Letzte Nacht weinte sie, bis ihr Gesicht ganz rot und fleckig war, sie konnte nicht aufhören. Sie wollte aber keinen Trost, sie hat wohl vergessen, wie man sich trösten lässt.»

Er habe so viele Fragen, doch Emily sei noch nicht bereit zu reden. Darum müsse er ihr jetzt vor allem Zeit lassen.