FragwürdigGesundheitstipps von Gwyneth Paltrow: So gefährlich können sie sein
Mara Ittig
31.7.2018
Gwyneth Paltrow hat mit ihrem Lifestyle-Brand Goop viel Erfolg. Das machte auch Anna Wintour Eindruck: Der US-Verlag Condé Nast strebte eine Zusammenarbeit an. Doch daraus wird wohl nichts, weil manche Goop-Artikel dem Faktencheck nicht standhalten.
Hollywood-Schauspielerin und Conscious-Uncoupling-Erfinderin Gwyneth Paltrow hat mit ihrem Lifestyle-Portal einen guten Wurf gemacht: Seit 2008 empfiehlt und verkauft sie dort hochwertige (böse Zungen sagen überteuerte) Lifestyle-Produkte.
Das Brand hat inzwischen eine eigene Produkte-Linie, Pop-Up-Stores und Paltrow selbst mehrere Bücher veröffentlicht. Anna Wintour, Chefredaktorin der US Vogue, beschreibt Goop als «etwas Bemerkenswertes, eine durchwegs moderne Sicht darauf, wie wir heute leben». Der Wert der Marke wird auf 250 Millionen US-Dollar geschätzt.
Auf ihrem Portal gibt Paltrow Tipps, wie man besser lebt. Von Rezepten für Clean Food über Stylingtipps bis hin zu Anleitungen für ein gesünderes Leben finden sich viele Artikel und Empfehlungen. Überhaupt: Gesundheit wird sehr gross geschrieben bei Gwyneth Paltrow.
Strahlende Werberin in eigener Sache
Sie selbst geht als strahlende Werberin in eigener Sache mit gutem Beispiel voran. Sie soll sich makrobiotisch ernähren, macht täglich Sport mit der knallharten Tracey Anderson, lebt ausgesprochen clean und folgt ihren eigenen Lifestyle-Tipps offenbar auch selbst. Auf Goop gibt Paltrow quasi eine Anleitung, wie man so werden kann wie sie. Ein unerreichbares und vielleicht auch unerwünschtes Ziel.
So weit, so gut. Ein Erfolgsmärchen. Der US-Verlag Condé Nast wollte auf den Erfolgszug aufspringen und aus Goop ein Magazin machen. Nach zwei Ausgaben ist allerdings bereits wieder Schluss. Denn die Artikel halten den Qualitätsansprüchen von Condé Nast (der Verlag gibt unter anderem die Modebibel Vogue heraus) nicht stand.
Denn Gwyneth Paltrow publiziert Interviews mit fragwürdigen Heilern und selbsternannten Ärzten ohne Faktencheck. Und sie empfiehlt Anwendungen und Produkte, deren medizinischer Nutzen bestenfalls umstritten ist. Schlimmstenfalls ist das Ganze sogar schädlich.
So interviewt Goop in einem Artikel etwa die «Naturärztin» Linda Lancaster zum Thema Parasiten. Diese empfiehlt, man solle acht Tage nichts ausser roher Ziegenmilch zu sich nehmen, um Parasiten loszuwerden. Eine Behauptung, für die keinerlei wissenschaftliche Belege existieren. Es gibt sogar kleinere Studien, die zu dem Ergebnis kommen, dass unpasteurisierte Ziegenmilch Parasitenbefall hervorrufen kann.
Vagina «vitalisieren»
Auch das von Gwyneth Paltrow gepriesene Vagina-Dampfbad, bei dem man sich die Vagina mit Kräuterdampf «vitalisieren» lässt, sehen Experten durchaus kritisch. Gynäkologen warnen davor, dass die Behandlung mit Dampf die natürliche Scheiden-Flora stören und zu Verbrennungen führen könne.
Paltrow sagt dazu, sie hätte mit ihren Artikeln nie die Absicht verfolgt, ein Statement zu machen oder Partei zu ergreifen. Goop hätte bloss interessanten Persönlichkeiten Fragen gestellt.
Allerdings darf man sich wohl fragen, wie verantwortungsvoll es ist, selbsternannten Experten und Heilern auf Scharlatan-Niveau eine ungefilterte Platform zu geben. Denn: Als Lifestyle-Expertin hat Paltrow durchaus einen gewissen Einfluss auf ihre Leserschaft.
Boomender Lifestyle-Markt
Sie ist in guter Gesellschaft: Der Wellness- und Lifestyle-Markt boomt weiterhin. Weltweit werden 3,57 Trilliarden US-Dollar für Wellness ausgegeben. Und für Goop ist alles Wellnes: Welches Wasser man trinkt, welche Creme man benutzt, wo man seine Ferien verbringt und welches Pyjama man trägt.
Längst haben auch andere Promis erkannt, dass man mit einem bekannten Namen und einer guten Absicht viel Geld machen kannn. Jessica Albas Honest Company bietet biologische und gut verträgliche Putz- und Kosmetikprodukte an und wurde auch schon auf mehr auf 1 Milliarde US-Dollar geschätzt. Model Miranda Kerr hat eine eigene Linie für organische Kosmetika.
Der Input von Condé Nast und die Beendigung der Zusammenarbeit hat dazu geführt, dass Goop für ihre Website selbst einen Faktenchecker engagiert hat. Und als Geschäftsfrau sieht Gwyneth Paltrow das Ganze sowieso ganz pragmatisch: Die Aufregung um ihre Artikel locke Menschen auf ihre Seite. «I can monetize those eyeballs».
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