Schweizweiter ProtestKlimastreik mit tausenden Demonstranten erwartet – trotz Corona
Von Uz Rieger
4.9.2020
Die Corona-Fallzahlen steigen wieder. Trotzdem will die Klimabewegung demonstrieren. In der ganzen Schweiz sollen heute Freitag Demonstrationen stattfinden. Ein Problem sehen die Organisatoren – und auch die Polizei – darin aber eher nicht.
Im letzten Jahr gingen Zigtausende bei den Klimastreiks in der Schweiz protestieren. Dann kam die Coronapandemie – und der Protest verschwand weitgehend aus der öffentlichen Wahrnehmung und fand meist nur noch im Internet statt. Nun will sich die Klimabewegung wieder Gehör verschaffen. Weil sie sich von der Politik im Stich gelassen fühlt, ruft sie für heute zum schweizweiten Streik auf. Auf den sozialen Medien kündigt sich ein Protest mit tausenden Teilnehmenden an.
Spannend werden dürfte auch werden, ob die Demonstrationen in Zeiten der Pandemie tatsächlich gut besucht werden – und darüber hinaus auch mit den geltenden Auflagen und Bestimmungen in Einklang zu bringen sind. Noch im Mai erklärte Lena Bühler vom Klimastreikkollektiv gegenüber «Bluewin», dass Demonstrationen derzeit nicht möglich und obendrein unverantwortlich wären.
Inzwischen ist nicht nur das Wissen über das Coronavirus grösser geworden, auch werden politische und zivilgesellschaftliche Demonstrationen mit mehr als 1'000 Personen durch die «Verordnung über Massnahmen in der besonderen Lage zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie» gedeckt – zumindest solange die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Gesichtsmaske tragen. Und auch für die Klimaaktivisten ist es wieder an der Zeit, «gemeinsam die Wut auf die Strasse zu tragen», wie Michelle Reichelt vom Klimastreik-Bündnis zu «Bluewin» sagt.
Man will die Maskenpflicht durchsetzen
Man sei zwar auch in den Zeiten des Lockdowns nicht untätig gewesen und habe in Webinaren, Vorträgen und Online-Diskussionen für das Klima gekämpft, sagt Reichelt, doch auch wenn «wenn die Pandemie zur Zeit dringender erscheint, ist die Klimakrise dennoch ein allgegenwärtiges Thema».
Schliesslich lösten die Feuer in der Arktis derzeit Kettenreaktion aus, der Amazonas brenne noch immer und auch die Schweiz würde noch immer die Ziele des Pariser Abkommens verfehlen. Man reagiere mit den «Aktionen des zivilen Ungehorsams auf die Untätigkeit der Politik».
Dass die heutige Demo und auch die Aktionswoche «Rise up 4 Change» vom 20. bis 25. September in Bern in eine Zeit wieder steigenden Fallzahlen fällt, sieht die Klimabewegung nicht als Problem. Schliesslich höre man wie bei der Klimakrise auch beim Coronavirus auf die Wissenschaft, meint Reichelt.
Man setze in den Demonstrationen deshalb die Maskenpflicht durch, um Infektionen zu vermeiden: «Wir wissen heute deutlich mehr über das Virus als im Frühling, deshalb sind unsere Demonstrationen mit Masken gut durchführbar.» Zu diesem Zweck würden die Organisatoren der Demo für Desinfektionsmittel vor Ort sorgen, auch seien Gratismasken beim Ordnungsdienst zu bekommen.
Es können Hunderte kommen – oder auch Tausende
Auch wenn die Demonstranten nicht notwendigerweise einen Mindestabstand einhalten müssten, solange sie Masken tragen, geht Reichelt davon aus, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen grösseren Abstand halten werden als in der Vergangenheit. Gleichwohl meint sie, könne man nur schwer prognostizieren, wie viele Menschen überhaupt teilnehmen werden.
So sieht das auch Pascal Siegenthaler, Mediensprecher der Stadtpolizei Zürich. Er meinte zu «Bluewin», dass man hinsichtlich der Teilnehmerzahl keine Prognosen abgeben könne: «Es können einige Hunderte kommen, in der Vergangenheit waren es aber auch mehrere Tausende.»
Trotzdem ist man bei der Zürcher Stadtpolizei auch unter Corona-Bedingungen wenig nervös, was die Demonstration angeht. Für den Fall, dass sich Demonstrationsteilnehmer nicht an die Auflagen halten oder auch sonst gegen Recht verstossen würden, müsse der Einsatzleiter vor Ort über entsprechende Massnahmen entscheiden, meint Siegenthaler und betont, es sei vor allem wichtig, dass diese «verhältnismässig» seien.
Friedlich und vernünftig – trotz der grossen Wut
Befürchtungen, dass die Veranstaltung eskalieren könnte, hat man offenbar nicht. Gemäss Siegenthaler hat man in Zürich mit den Klimademonstranten wenig schlechte Erfahrungen gemacht. Sie seien grösstenteils friedlich und vernünftig, so der Polizeisprecher.
Auch wenn die Aktivisten vernünftig sind – und auch friedlich –, ist ihre Kritik fundamental und könnte gegebenenfalls noch mehr «Wut» auf die Strasse tragen. Zumindest hört sich das so bei Reichelt an. Sie sagt, gerade auch während der Pandemie sei erneut klargeworden, dass das bestehende System auf Profit ausgelegt sei.
Viele Menschen seien vom Staat im Stich gelassen worden und hätten die Zeiten lediglich wegen der Solidarität ihrer Mitmenschen durchstehen können. Jetzt wieder zurück zur Normalität zu wollen, zeige was in dieser Gesellschaft gelte: «Funktionieren, Geld verdienen, das System am Leben halten.»
Die temporären Massnahmen während der Pandemie dazu zu nutzen, «um zu sagen, es hätte sich klimatechnisch etwas verändert», sei eine «Farce sondergleichen».
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