KarriereImmer mehr Frauen wollen zur Polizei – bis sie Mutter werden
Rene Sollberger
24.12.2018
Der Polizeiberuf boomt bei jungen Frauen. Aber nach dem ersten Kind ist meist Schluss. Daran sind nicht nur die mit dem Job verbundenen Gefahren schuld. Es fehlt bei der Poizei die Flexibilität und gezielter Frauenförderung.
An den Polizeischulen gibt es viele Frauen. Normalerweise liegt der Anteil bei einem Drittel, aber im Kanton Aargau haben sich in den letzten zwei Jahren teilweise sogar mehr Frauen als Männer gemeldet. Und Zürich sind regelmässig fast die Hälfte der Auszubildenden Frauen, wie eine Auswertung der Nachrichtenagentur SDA zeigt. Das war nicht immer so: In den 90er-Jahren lag der Frauenanteil im Aargau noch bei drei Prozent.
Das Problem: Nach dem ersten Kind ist meistens Schluss mit der Karriere bei der Polizei, wie der «SonntagsBlick» schreibt. Claudia Grande, Vizepräsidentin der Vereinigung Schweizer Polizistinnen (VSP), kenne das Problem. Und auch die Gründe.
Innendienst nicht immer möglich
Die frischgebackenen Mütter wollten einerseits wohl kein zu grosses Risiko mehr eingehen und bevorzugten eine Stelle im Innendienst – was nicht immer möglich sei. Andererseits und vor allem sei in vielen Korps flexibles Arbeiten wie Teilzeitarbeit oder Homeoffice noch nicht verbreitet.
Die Zürcher Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart will «den Frauenanteil erhöhen», wie sie sagt. Aber viele Polizistinnen steigen aus – da nützt auch der Frauenboom in der Ausbildung nichts. Das zeigen die Zahlen der kantonalen Korps. Im Kanton St. Gallen dümpelt ihr Anteil seit Jahren bei acht Prozent herum. Im Aargau liegt er bei 14 Prozent. In den Kantonen Zürich, Bern und Basel immerhin bei 20 Prozent.
Gezielt Frauen rekrutieren
Von gezielter Frauenförderung wollen die meisten Kantone nichts wissen. Ausser Basel-Stadt. «Wir schreiben alle Polizeistellen auch 80 Prozent aus, selbst die Offiziersfunktionen», sagt Martin Schütz, der Sprecher des dortigen Justiz- und Sicherheitsdepartements. Dies gezielt, um Frauen zu rekrutieren.
Das zeigt Wirkung: Im Rheinkanton sitzen 20 Prozent Frauen im Kader – in der Polizeileitung sind es ein Drittel. Zum Vergleich: In den übrigen Deutschschweizer Kantonen bewegen sich die Frauenanteile zwischen einem und knapp über zehn Prozent.
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