Auch Bundesrat muss antrabenWarum Trump nicht einfach in den Kongress darf – 5 Fakten zur «State of the Union»-Rede
Petar Marjanović
25.2.2026
SOTU: Trump wird im Kongress angekündigt
Die «State of the Union Address» ist ein traditionsreicher Staatsakt, bei dem der US-Präsident den Kongress über die Lage der Nation informiert und politische Vorhaben ankündigt.
25.02.2026
Die «State of the Union» ist weit mehr als eine gewöhnliche Rede. Wenn der US-Präsident im Kapitol spricht, geht es nicht nur um die Lage der Nation, sondern auch um Macht und ein inszeniertes Ritual.
Die «State of the Union Address» ist ein traditionsreicher Staatsakt, bei dem der US-Präsident den Kongress über die Lage der Nation informiert und politische Vorhaben ankündigt.
Die Ansprache folgt festen Zeremonien, umfasst besondere Sicherheitsvorkehrungen wie den «Designated Survivor» und wird seit 1913 wieder persönlich im Kapitol gehalten.
In der Schweiz gibt es etwas Ähnliches: Der Bundesrat muss jährlich dem Parlament im Geschäftsbericht erklären, was er gemacht hat.
Die «State of the Union Address» ist mehr als eine Rede. Sie ist ein Staatsakt mit grosser Tradition und ungewöhnlichen Regeln. Der US-Präsident informiert den Kongress über die Lage der Nation und kündigt neue Vorhaben an. blue News liefert dazu fünf Fakten.
Der Präsident braucht eine Einladung
Die US-Verfassung verpflichtet den Präsidenten, dem Kongress «von Zeit zu Zeit» über die Lage der Nation zu berichten (Artikel II, Abschnitt 3). Sie schreibt jedoch nicht vor, in welcher Form es das tun muss. Der Kongress ist als Parlament eine unabhängige Gewalt. Deshalb braucht der Präsident eine formelle Einladung des Repräsentantenhauses für eine gemeinsame Sitzung beider Parlamentskammern.
Wie angespannt das Verhältnis sein kann, zeigte sich 2019. Während des Government Shutdown drohte die damalige Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, die Einladung für Donald Trump zurückzuziehen. Sie verwies auf Sicherheitsbedenken wegen unbezahlter Mitarbeitender des Secret Service. Trump verschob die Rede. Erst nach dem Ende des Shutdowns lud Pelosi ihn erneut ein. Die Ansprache fand am 5. Februar 2019 statt.
Im Jahr 2020 zerriss die Sprecherin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi die Rede von Trump.
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«Lage der Nation» war lange keine Rede
Heute spricht der Präsident persönlich im Kapitol. Das war nicht immer so. Frühere Präsidenten wie Thomas Jefferson übermittelten ihre Botschaft schriftlich. Jefferson hielt eine mündliche Ansprache für zu monarchisch. Erst seit Woodrow Wilson im Jahr 1913 gehört die persönliche Rede wieder zur festen Praxis.
Auch der Name änderte sich. Von George Washington bis Herbert Hoover sprach man von der «Annual Message». Erst Franklin D. Roosevelt verwendete 1941 offiziell den Begriff «State of the Union».
Der US-Präsident (hier im Jahr 2018) hat normalerweise im Parlament nichts zu suchen.
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Ein Minister darf nicht zuhören
Zur Rede erscheinen die Richter des Obersten Gerichts, die Militärführung und fast das ganze Kabinett. Ein Mitglied der Regierung fehlt jedoch bewusst.
Seit den 1980er-Jahren bleibt jeweils ein sogenannter «Designated Survivor» an einem geheimen Ort. So soll die Handlungsfähigkeit des Staates gesichert bleiben, falls im Kapitol ein Anschlag geschieht.
Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 verschärften die Behörden die Sicherheitsvorkehrungen zusätzlich. Auch einzelne Kongressmitglieder halten sich während der Rede an einem unbekannten Ort auf. Dieses Jahr traf es den Veteranenminister Doug Collins. Er würde Präsident, falls bei einem Anschlag alle übrigen Amtsinhaber im Kapitol ums Leben kämen.
Das Szenario griff 2016 die TV-Serie «Designated Survivor» auf: Nach einem Anschlag auf das Kapitol wird ein wenig bekannter Minister über Nacht zum Präsidenten und muss das politische System stabilisieren.
Die Inszenierung folgt festen Regeln
2016 hielt ein Fotograf fest, wie der damalige US-Präsident Barack Obama zwei Exemplare abgab.
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Der Präsident betritt den Saal erst nach offizieller Ankündigung durch den «Sergeant at Arms». Der Zeremonienmeister ruft: «Madam (oder Mister) Speaker, the President of the United States!» Danach schreitet der Präsident zum Podium. Er übergibt je ein Exemplar der Rede dem Sprecher des Repräsentantenhauses und dem Vizepräsidenten, der dem Senat vorsitzt. Beide sitzen während der Ansprache hinter ihm.
«Madam Speaker, the president of the United States!»
Die Rede dauert heute meist etwas mehr als eine Stunde. Der Präsident nutzt einen Teleprompter. Applaus unterbricht den Vortrag regelmässig – oft geschlossen von der eigenen Partei, zurückhaltender von der Opposition. In den letzten Jahren lud der Präsident zudem ausländische Gäste oder Bürger als Ehrengäste ein, auf die er in seiner Rede Bezug nahm.
Auch die Eidgenossenschaft kennt sowas wie eine «Lage der Nation»
Eine direkte Entsprechung gibt es zwar nicht. Doch der Bundesrat legt der Bundesversammlung jedes Jahr seinen Geschäftsbericht vor. Gestützt auf das Parlamentsgesetz informiert er über seine Tätigkeit und seine Ziele.
Im Unterschied zur US-Rede handelt es sich um ein schriftliches Dokument. Es erscheint im Bundesblatt und ist nach Departementen gegliedert. Der Bericht umfasst jeweils mehrere hundert Seiten. 2024 waren es rund 190. Er erfüllt jedoch einen ähnlichen Zweck: Das Parlament soll wissen, wie es um das Land steht und wohin die Regierung steuert.
Im Parlament gilt die Behandlung meist als Formalität. Einzelne Mitglieder greifen bestimmte Departemente heraus und kommentieren sie. Eine Abstimmung findet in der Regel nicht statt.