Lautstark wurde die Rakete angekündigt, dann ist es schnell leise um den ukrainischen Marschflugkörper geworden. Doch nun erklärt Wolodymyr Selenskyj, was den Aufstieg der Flamingos gebremst hat – und seine Armee lässt den Worten nun auch Taten folgen.
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
- Die Ukraine sollte den eigenen Ankündigungen zufolge inzwischen 210 Flamingos pro Monat herstellen, doch zuletzt war es ruhig um den Marschflugkörper geworden.
- Nun räumt Wolodymyr Selenskyj technische Probleme ein – und erklärt, warum die Produktion gelahmt hat.
- Kiew hat die Flamingo im Januar erstmals seit Langem wieder eingesetzt – und legt im Februar gleich mehrfach nach.
- Der jüngste Angriff galt einer der ältesten Maschinenbau-Fabriken Russlands, die 1400 Kilometer von der Grenze entfernt ist.
Es hat für die Ukraine so vielversprechend geklungen, was da im August 2025 öffentlich geworden ist: Die heimische Firma Fire Point baut einen eigenen Marschflugkörper, der gut eine Tonne Sprengstoff bis zu 3000 Kilometer weit tragen können soll.
Die FP-5 Flamingo hebt aber nicht so ab, wie erwartet. Im Herbst gibt es einige Einsätze, die sich jedoch an einer Hand abzählen lassen. Anfang Dezember heisst es zur Erklärung, es gebe technische Probleme: Das rund 900 km/h schnelle Geschoss könne noch nicht so tief fliegen, wie gewünscht, weil exakte Höhenkarten von Russland fehlten.
Doch das scheint nicht die einzige Hürde zu sein. Geplant war, dass heute 210 Exemplare monatlich hergestellt werden. Von sieben Flamingo-Attacken täglich ist Kiew jedoch weit entfernt: Ist die vermeintliche Wunderwaffe also bloss ein Rohrkrepierer?
Heisses Triebwerk lockt russische Abfangraketen an
Wolodymyr Selenskyj kennt die Antworten – und räumt Probleme ein. An Weihnachten spricht er über die Trefferquote des ukrainischen Marschflugkörpers R-360 Neptun, die von «gut» auf «sehr gut» gestiegen sei. «Die Prozentzahl der Flamingo hat sich jetzt verbessert», sagt er dazu.
Das jedoch auf einem anscheinend relativ niedrigen Niveau: «Sie wurde kürzlich eingesetzt», ergänzt der Präsident laut «Interfax». Fünf Flamingos seien dabei abgefeuert worden: «Eine hat das Ziel zerstört, vier wurden von der russischen Luftabwehr abgeschossen.»
Sprich: Wenn diese Raketen nicht extra tief fliegen, sind sie dank ihres heissen Triebwerks anscheinend eine leichte Beute für das russische Militär. Und Mitte Februar lüftet der 48-Jährige dann auch das Geheimnis, warum bisher so wenige Flamingo-Attacken geflogen wurden: Moskau hat offenbar erfolgreich den Hersteller Fire Point angegriffen.
Darum stockte die Flamingo-Produktion
«Wir hatten einige technische Probleme, weil eine grosse Produktionslinie durch einen Raketeneinschlag zerstört wurde», zitiert Selenskyj die ukrainische Nachrichtenagentur UNN. Anscheinend war Fire Point bei der Präsentation der Flamingo zu unvorsichtig. «[Die Linie] wurde bereits verlagert und die Produktion wieder aufgenommen.»
Und tatsächlich: Die Flamingos fliegen wieder. Wie erst Anfang Februar bekannt wird, attackieren Kiews Kräfte im Januar das Raketen-Testgelände Kapustin Jar im Oblast Astrachan am Kaspischen Meer. Von dort lässt der Kreml auch Mittelstrecken-Raketen vom Typ Oreschnik aufsteigen.
The AFU General Staff provided a damage assessment from strikes on the "Kapustin Yar" missile testing complex in the Astrakhan region of Russia. Facilities impacted included:
- MRBM (Oreshnik) Testing/Maintenance Facility
- MRBM Assembly Building
- Logistics and Support Warehouse
#OSINT
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— OSINT Intuit™ (@urikikaski.bsky.social) 8. Februar 2026 um 12:08
Wie die ukrainischen Streitkräfte mitteilen, treffen die Flamingos ein Lagerhaus für Material, eine Fertigungshalle für Raketen und ein technisches Gebäude. Eine Bestätigung für diese Schäden oder gar eine Bestätigung der Attacke von russischer Seite gibt es nicht.
Riesiges russisches Waffenlager im Visier
Im Februar setzen sich diese Attacken fort. Am 12. ist ein riesiges Waffenlager das Ziel, das die russische Hauptverwaltung für Raketen und Artillerie (GRAU) nahe des Dorfes Kotluban im Oblast Wolograd betreibt. Das Depot ist nur 120 Kilometer vom Testgelände Kapustin Jar entfernt.
Dabei soll nach ukrainischen Angaben ein 3600 Quadratmeter grosser Bunker getroffen worden sein, in dem je nach Kaliber 20'000 bis 40'000 Artilleriegranaten gelagert haben könnten. Wie viele Raketen dabei eingesetzt worden sind, ist unklar. Ein Video zeigt Folge-Explosionen.
Tonight, FP-5 "Flamingo" cruise missiles struck the 117th GRAU arsenal in Kotluban, Volgograd region. This was confirmed by the General Staff. The arsenal is one of the largest ammunition storage sites of the Russian army. And it is still detonating.
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— WarTranslated (Dmitri) (@wartranslated.bsky.social) 12. Februar 2026 um 11:10
Wolodymyr Selenskyj sagt kurz darauf laut UNN: «Wir haben nicht viele [Flamingos]. Wir haben sie vor ein paar Tagen in dem Gebiet eingesetzt, in dem sich die Oreschnik-Systeme befinden. Wir werden die Ergebnisse sehen, aber ich denke, wir haben Ergebnisse erzielt. Natürlich ist es wichtig, dass wir daran arbeiten, die Anzahl [der Flamingos] zu erhöhen.»
Treffer im russischen Traditionsunternehmen
Es gibt noch zwei weitere ukrainische Attacken, bei denen der Marschflugkörper im Einsatz gewesen sein dürfte: Zum einen bei einem Angriff auf Volna, eine Hafenstadt im Oblast Krasnodar vis-à-vis der Krim, von wo aus Öl exportiert wird.
Offiziell wird der Einsatz der Flamingo zwar nicht eingeräumt, doch YouTuber Suchomimus bemerkt den aussergewöhnlich grossen Krater, den Satellitenbilder zeigen. Das passt zu dem 1150-Kilogramm-Sprengkopf der Rakete. Möglicherweise sollten aber die Öltanks in der Nähe getroffen werden: In dem zerstörten Gebäude sei Öl aus Gemüse verarbeitet worden.
Der jüngste Flamingo-Schlag ist gleichzeitig auch der bisher weiteste: Am 20. Februar fliegen wohl mehrere Marschflugkörper gut 1400 Kilometer weit, um das Maschinenbauwerk Wotkinsk in der Republik Udmurtien zu treffen. Das 1759 gegründete Unternehmen gehört zu den ältesten Maschinenbau-Firmen Russlands.
In der Fabrik werden Raketen der Typen Iskander, Topol-M und Oreschnik produziert. Mindestens eine Halle ist komplett ausgebrannt, nachdem die Flamingo durch die Decke in das Gebäude gerauscht ist. Weil offenbar jede Halle einen Teil des Produktionsprozesses abdeckt, dürfte die Produktion fürs Erste eingestellt worden sein.
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