Dem Unglück keine ChanceMit Aberglaube ins All - Russlands kosmische Riten und Bräuche
von Thomas Körbel, dpa
5.6.2018
Der Volksglaube an das Übernatürliche ist fester Bestandteil der «russischen Seele». Das macht an der Raumfahrt nicht Halt. Auch in Alexander Gersts Terminkalender steht vor seinem Flug zur ISS eine Portion Aberglaube.
Astronauten wie der Deutsche Alexander Gerst können Raumschiffe fliegen, verrichten hochkomplexe Experimente in der Schwerelosigkeit und sind trainiert für lebensgefährliche Notfälle. Doch bevor Gerst und seine zwei Kollegen aus Russland und den USA am Mittwoch vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur ins All starten, bleibt nichts dem Zufall überlassen: Vor ihrem Flug zelebrieren sie Riten und Bräuche der russischen Raumfahrt. Eine Auswahl:
Baum pflanzen: Ein Besuch im Garten des Hotels «Kosmonaut» in Baikonur ist ein Pflichttermin vor dem Flug. Hier pflanzt jeder, der zum ersten Mal von dem russischen Kosmodrom ins All startet, einen Baum. Gerst durfte seinen Baum schon 2014 pflanzen, seine beiden Kollegen Sergej Prokopjew und Serena Auñón-Chancellor waren dieses Mal an der Reihe. Gerst half ihnen beim Schaufeln, wie Fotos der Raumfahrtbehörde Roskosmos zeigen. Die Tradition reicht bis zu Raumfahrtpionier Juri Gagarin zurück. Seit dessen Weltraumflug 1961 ist dort eine stattliche «Allee der Kosmonauten» gewachsen.
Münze plätten: Zwei Tage vor dem Start schleppt eine Lokomotive die Rakete aus dem Hangar zur Startrampe. Im Schritttempo schlängelt sich der Zug durch die kasachische Steppe. Vor dem Ziel legen Ingenieure, Techniker und Angehörige der Raumfahrer Münzen auf die Gleise, die der tonnenschwere Zug zerquetscht - für einen erfolgreichen und sicheren Flug. Die Crew schaut sich das Aufstellen der Rakete übrigens nicht an: Ein Bräutigam bekommt seine Braut vor der Trauung ja auch nicht zu Gesicht.
Mit Gottes Segen in den Kosmos: Ein orthodoxer Priester spricht vor der aufgerichteten Rakete ein Gebet. Anschliessend umrundet er sie mit einem Eimer voll Weihwasser und segnet sie. Der Brauch wurde in den 1990er Jahren nach dem Zerfall der Sowjetunion eingeführt.
Kino: Am Abend vor dem Start entspannen die Raumfahrer bei einem gemeinsamen Filmabend. Doch schauen sie nicht etwa einen aktuellen Hollywood-Blockbuster, sondern einen sowjetischen Kino-Klassiker aus dem Jahr 1970: «Beloje Solnze Pustyni» (Die Weisse Sonne der Wüste). Der Streifen von Regisseur Wladimir Motyl gilt als sowjetische Variante des Western. Raumfahrt spielt in dem Film keine Rolle. Doch geht die Tradition auf die Besatzung von «Sojus-12» zurück, die 1973 als erste nach dem tragischen Tod der dreiköpfigen Crew von «Sojus-11» (1971) sicher wieder zur Erde zurückkehrte. Vor dem Start hatten die Kosmonauten von «Sojus-12» den Film geschaut.
Autogramme: Vor dem Start verewigen sich die Raumfahrer auf einer Wand im Raumfahrtmuseum in Baikonur und auf der Tür ihres Zimmers im Hotel «Kosmonaut». Gerst findet hoffentlich ein freies Plätzchen, denn die Zimmertüren zu reinigen ist strengstens verboten. Wenn eine Tür voll ist, wird sie allerdings ausgetauscht und aufbewahrt.
Rock-Klassiker: Zum Abschied von der Erde bekommen die Raumfahrer eine volle Dröhnung sowjetischen 80er-Rock. Wenn die Mannschaft in filmreifer Manier das Hotel verlässt und in den Bus steigt, der sie zur Startrampe fährt, werden die Boxen aufgedreht für den Klassiker «Trawa U Doma» (Gras vor dem Haus, 1983) von der Band Semljane (Erdbewohner). In dem beliebten Song geht es um den Blick aus dem All auf die Erde. Die Raumfahrtbehörde Roskosmos hat den Gassenhauer 2009 zur «Hymne der russischen Raumfahrt» erklärt.
Video-Clip «Trawa U Doma» (Gras vor dem Haus, 1983)
An Reifen urinieren: Bevor es ernst wird, schnell noch einmal Wasser lassen: Auf dem Weg zur Startrampe ist es der Legende nach Brauch, an den Reifen des Busses zu urinieren. Angeblich geht dies auf Raumfahrtpionier Juri Gagarin zurück, der bei seinem historischen Flug 1961 keinen Harndrang riskieren wollte. Heute wäre dies nicht mehr nötig, denn die Raumfahrer tragen Windeln unter ihrem Anzug.
Ob Gerst und seine Kollegen den überlieferten Brauch wahren oder es sich um eine gut gepflegte Legende handelt, bleibt offen - zumal das Anziehen des Raumanzugs kompliziert ist und das Ritual Frauen vor ein praktisches Problem stellen dürfte. Doch allgemein heisst es Berichten zufolge, dass sich die Männer erleichtern, bevor ihr Raumanzug komplett geschlossen wird. Die Frauen sollen für diesen Zweck ein Fläschchen mit Urin haben, das sie auf den Reifen träufeln.
Evakuierungsaktion bei der Seilbahn Lungern-Turren in Lungern im Kanton Obwalden: Wegen einer technischen Panne mussten rund 27 Personen mit dem Helikopter gerettet werden.
Bild: KEYSTONE
Zu zweit durch dick und dünn – und durch heiss und eiskalt: Dieses Liebespaar sprang am Valentinstag in Hamburg ins kalte Wasser.
Bild: Georg Wendt/dpa
Fasnächtliche und farbenfrohe Puppen zieren das Dorf Seelisberg im Kanton Uri über die Fasnachtstage. Die Fasnacht 2021 ist im Kanton Uri aufgrund der Corona-Ppandemie praktisch verboten, es duerfen maximal nur 5 Personen unterwegs sein, aber als einer der wenigen Kantone ist in Uri das Spielen von Musikinstrumenten erlaubt. (13.02.2021)
Bild: KEYSTONE/Urs Flueeler
Die Pandabären-Geschwister Paule (r) und Pit (l) spielen in ihrem Gehege im Zoo Berlin im Schnee. (13.02.2021)
Bild: Kira Hofmann/dpa-Zentralbild/dpa
Halb Euroopa friert. Diese Heidschnucken in Braunschweig jedoch lassen sich von den frostigen Temperaturen nicht beeindrucken. (13.02.2021)
Bild: Stefan Jaitner/dpa
Sahara-Sand färbt Schnee und Himmel orange im Skigebiet Anzère in der Schweiz.
Bild: Keystone/Laurent Gillieron
Menschen drängen sich in der Einkaufsstrasse Via del Corso in Rom nachdem die Corona-Massnahmen gelockert wurden.
Bild: Cecilia Fabiano/dpa
Irgendwo dort versteckt sich die A7: Nahe Hannover herrscht dichtes Schneetreiben auf der Autobahn.
Bild: Julian Stratenschulte/dpa
Eine Replik der Saffa-Schnecke fotografiert vor der Schweizer Nationalbank während einer Jubiläumsaktion organisiert von Bern Welcome, zu 50 Jahren Frauenstimm- und -wahlrecht. (06.02.2021)
Bild: Anthony Anex/Keystone
Ein Porträt von Elisabeth Vischer-Alioth wartet darauf, an eine Hauswand geklebt zu werden, während der Vorbereitungen zur Ausstellung «Hommage 2021: Porträts von mutigen Frauen in der Berner Altstadt». (06.02.2021)
Bild: Anthony Anex/Keystone
Abgeschirmte Speisekuppel. So geht es auch. Im israelischen Jerusalem speisen Restaurantbesucher abgeschirmt von anderen Gästen in einer Kuppel. Israel plant trotz anhaltend hoher Infektionszahlen erste Lockerungen einleiten. (06.02.2021)
Bild: Muammar Awad/XinHua/dpa
Ein überfluteter Platz beim Flussufer in Saint-Ursanne. Der Fluss Doubs trat nach starken Regenfällen über die Ufer. (31.1.2021)
Bild: Keystone
Während einer Demonstration gegen die Inhaftierung von Kremlkritiker Nawalny führen russische Polizisten einen Mann ab. (31.1.2021)
Bild: Aleksander Khitrov/AP/dpa
Imposante Kulisse: In Los Angeles können sich die Menschen unter anderem auf dem Parkplatz des Dodger Stadium gegen Corona impfen lassen. (31.1.2021)
Bild: Damian Dovarganes/AP/dpa
Mehr als zwei Kilometer durch den eiskalten Bodensee: Der Extremschwimmer Paul Bieber hat mit seinem Versuch den deutschen Rekord im Distanz-Eisschwimmen gebrochen. Der 37-Jährige schwamm bei unter fünf Grad Wassertemperatur 2210 Meter weit. 43,03 Minuten brauchte er dafür. (30.1.2021)
Bild: Felix Kästle/dpa
Gleich zwei Mal binnen 48 Stunden gab es in Raron im Kanton Wallis infolge der Schlechtwettersituation in den letzten Tagen Felsstürze. (30.1.2021)
Bild: KEYSTONE/Laurent Gillieron
Vor einem pittoresken Wolkenhimmel zeigt Max Ross auf einer Slackline im Hillcrest Park im kalifornischen Fullerton sein Können. (30.1.2021)
Bild: Mark Rightmire/The Orange County Register/dpa
Ein internationales Forscherteam hat auf Madagaskar eine neue Chamäleonart entdeckt, bei der das Männchen lediglich 13,5 Millimeter lang ist. Obwohl das männliche Tier das kleinste unter rund 11‘050 Reptilienarten ist, verfügt es in Relation zur Körpergrösse über die die grössten Genitalien. Der Grund: Eine erfolgreiche Paarung mit den bedeutend grösseren Weibchen wäre sonst nicht möglich. (28.1.2021)
Bild: Frank Glaw/SNSB-ZSM/dpa
Und dann hatte Hamburg eine Mülldeponie mehr: Im Stadtteil Norderstedt der Hansestadt türmt sich in einem Gewerbegebiet bis zu sechs Meter Müll wie Bauschutt, Teerpappe, Dämmstoffe, Asbest und anderes. Der Unternehmer, der dort bestimmte Stoffe nur zwischenlagern durfte, ist verschwunden. Die Staatsanwaltschaft sucht nun nach ihm. (27.1.2021)
Bild: Christian Charisius/dpa
«Minor Canyon»: Schwere Regenfälle haben im kalifornischen Monterey County zu Schlammlawinen, Überschwemmungen und zu dieser beeindruckenden Mini-Schlucht geführt. (28.1.2021)
Bild: Noah Berger/AP/dpa
Gedenken: Die New Yorker Verkehrsbetriebe ehren 136 Mitarbeiter, die am Coronavirus gestorben sind, mit einer digitalen Gedenkstätte an 107 U-Bahn-Stationen – wie hier in der Moynihan Train Hall im New Yorker Stadtteil Manhattan. (29.1.2021)
Bild: John Minchillo/AP/dpa
Schlange an der Notaufnahme: Rettungssanitäter warten vor dem Santa Maria Krankenhaus in Lissabon, um Covid-19-Patienten zu übergeben. Portugal gehört momentan zu den Ländern mit den weltweit höchsten Neuinfektionszahlen im Verhältnis zur Einwohnerzahl. (28.1.2021)
Bild: Armando Franca/AP/dpa
Feuer an der Tankstelle: Die deutsche Rastanlage Hunsrück Ost an der Autobahn A61 ist einer nur knapp einer Katastrophe entgangen, nachdem hier ein Kleintransporter beim Betanken in Vollbrand geriet. Erst die Feuerwehr konnte das Feuer löschen – zuvor hatte der Kassier allerdings richtig reagiert und per Notschalter die ganze Tankanlage ausser Betrieb genommen. (28.1.2021)
Bild: Keystone
Strand ohne Leben: Ein Bademeister arbeitet am leeren Strand von Palma auf Mallorca. Derzeit gibt es Corona-bedingt kaum Touristen auf der Ferieninsel. (28.1.2021)
Bild: Mar Granel Palou/dpa
Da kann man auch grosse Augen machen: Auf einer österreichischen Landstrasse ist eine Waldohreule mit einem Auto zusammengestossen. Der Vogel überstand den Crash mit dem Bruch eines Flügels und wird derzeit auf einer Greifvogelstation aufgepäppelt. (28.1.2021)
Bild: APA/Keystone
Phantompatienten: An der Universität Leipzig warten Dummys mit einem Metallkopf, in den künstliche Gebisse hineingeschraubt werden können, auf Zahnmedizinstudenten. (28.1.2021)
Bild: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa
Winston hat das Coronavirus besiegt: Der Gorilla erholt sich im Zoo von San Diego nach einer umfangreichen medikamentösen Behandlung von einem schweren Verlauf seiner Corona-Infektion. Bei dem 48-jährigen Silberrücken Winston waren im Zuge der Infektion eine Lungenentzündung und Herzprobleme aufgetreten. Er wurde daraufhin mit einer Antikörper-Therapie, Herzmedikamenten und Antibiotika behandelt. (26.1.2021)
Bild: Ken Bohn/San Diego Zoo Global/dpa
Auf glühenden Kohlen: Ein Mann produziert im Gaza-Streifen beim dort grössten Produzenten Holzkohle. Als bestes und teuerstes Holz für diesen Zweck gilt das von Zitrusbäumen, aber auch das von Olivenbäumen wird gerne verwendet. (26.1.2021)
Bild: Keystone
Von Ruhe auf einer Parkbank kann hier nicht die Rede sein: Möwen und Tauben schwirren und fliegen um eine Frau in Tokio umher. (26.1.2021)
Bild: Eugene Hoshiko/AP/dpa
Schnack beim Snack: Fischer Willy Rivas scherzt im peruanischen Lima mit einem Freund beim Essen in der Fischerbucht in Chorrillos. (26.1.2021)
Bild: Rodrigo Abd/AP/dpa
Banger Blick zum Horizont: Ein freiwilliger Helfer benutzt sein Walkie-Talkie, während er den Vulkan Mount Merapi während einer Eruption überwacht. Der Vulkan, der als einer der gefährlichsten der Welt gilt, ist erneut ausgebrochen und spukte mehrere Stunden glühende Asche und Gestein. (27.1.2021)
Bild: Slamet Riyadi/AP/dpa
Stausee verkommt zu «fliessenden Müllhalde: Ein Mann geht an Tonnen von Müll vorbei, die am Fusse des Wasserkraftwerks am Potpecko-Stausee in Serbien schwimmen. Vor allem Plastikabfälle gelangen durch Nebenflüsse in den Stausee und sammeln sich hier an. Eine serbische Zeitung schrieb bereits von einer «fliessenden Müllhalde». (26.1.2021)
Bild: Darko Vojinovic/AP/dpa
Dickschädeltest: Stirn an Stirn messen zwei Rinder im deutschen Naturschutzgebiet Boberger Niederung ihre Kräfte. (25.1.2021)
Bild: Daniel Bockwoldt/dpa
Nasskaltes Ende: Zwischen Frauenfeld und Matzingen ist eine 33-jährige Wagenlenkerin bei Glatteis von der Strasse abgekommen und im Murgkanal gelandet. Die Frau wurde mit leichten Verletzungen ins Spital gebracht. (26.1.2021)
Bild: Kapo TG
Opfer der Zerstörungswut: Ein Mann räumt in einem Fast-Food-Restaurant in Rotterdam auf. Die Niederlande sind erneut von sogenannten Corona-Krawallen erfasst worden. Hunderte gewaltbereite Jugendliche hatten nach Polizeiangaben in mehreren Städten randaliert und dabei auch die Polizei angegriffen. (25.1.2021)
Bild: Peter Dejong/AP/dpa
Auf den Hund gekommen: Vierbeiner der Indian Railway Protection Force zeigen anlässlich des indischen Nationalfeiertags ihre Kunststückchen.
Bild: KEYSTONE
Galionsfigur mit Kettensäge: Im ungarischen Szilvásvárad streckt sich ein Feuerwehrmann auf dem Dach eines Zugs, um einen Ast abzusägen, der unter der Schneelast heruntergebrochen ist und die Bahnstrecke blockiert. (25.1.2021)
Bild: Keystone
Und sie tun es immer noch: In Rio De Janeiro tummeln sich grosse Menschenmengen auf engem Raum am Strand von Ipanema in Rio de Janeiro. Und das obwohl Brasilien nach wie vor sehr hohe Corona-Fallzahlen hat.
Bild: Bruna Prado/AP/dpa
Himmlische Hilfe: Feuerwehrfrau Tegan Rayner von der Belair Brigade CFS freut sich über den Regen, während sie nach Löscharbeiten der Buschbrände in Cherry Gardens in der Nähe von Adelaide, Australien, steht. (25.1.2021)
Bild: Brenton Edwards/ADELAIDE ADVERTISER/AAP/dpa
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